Tagungsbericht: „Odin mit uns!“ – Fachtagung zu Wikingerkult und Rechtsextremismus

Fachtagung zu Wikingerkult und Rechtsextremismus„, dieser Titel lockte mich nach Schleswig-Holstein, in ein Tagungszentrum in der Nähe von Flensburg. Ich erhoffte mir Einblicke zu finden die mir bislang verborgen geblieben sind, etwas dazu zu lernen, und Gleichgesinnte zu treffen, die Rechtsextreme welche archäologische Befunde verklären als ebenso großes Problem ansehen wie ich selbst. Vor allem aber erhoffte ich mir eine Diskussion, über Konzepte wie in der Archäologie in Zukunft mit dieser Problematik umgegangen werden kann. Es gibt zwar eine offizielle Onlinedokumentation, aber meine Gedanken, und subjektiven Eindrücke möchte ich im folgenden Beitrag schildern. Auch in der Hoffnung, das es eine Folgetagung geben wird:

Die Ankunft

Nach der ersten Nacht in dem Zimmer, dass eine neoklösterliche Atmosphäre versprühte, und in der ich einen permanenten Kampf über mein Existenzrecht im Bett mit der Bettdecke führte, begab ich mich ein wenig müde auf die Willkommensveranstaltung. Die Tagung wurde organisiert in Zusammenarbeit verschiedener Institutionen. Die AWO, und Archäologen waren dabei genauso Bestandteil wie die Mobile Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus Schleswig Holstein.

Angeführt wurde, dass Wikinger Bestandteil moderner Rezeption sind. Rechtsextreme bewegen sich zum Teil innerhalb dieser Rezeptionsgeschichte, und nutzen die Wikingerkultur als Trojanisches Pferd, welches ihre Ideen transportiert oder teils dazu dient ihre Ideologie offen zur Schau tragen zu können. Einen großen Aufschrei gab es vor einem Jahr, als die Taz über das vermehrte auftreten von Hakenkreuzen auf dem Wikingerfest in Schleswig berichtete. Die Disskusionen über diesen Artikel mündeten schließlich in der Organisation dieser Tagung.

Die ersten Vorträge

Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim führte zunächst die Geschichte der Wikingerforschung weiter aus. Er thematisierte den archäologischen Rechtsruck seit Gustaf Kossinna, der in der Rolle Herbert Jankuhns im SS-Ahnenerbe gipfelte. Die Untersuchungen Jankuhns in Haithabu, welche bis heute als „Brauner Schatten über Haithabu“ bezeichnet werden, spielen dabei eine besondere Rolle. Sie zeigen, dass die Wikingerkultur nicht ausschließlich von wissenschaftsfernen Menschen, sondern auch aus der Forschung direkt instrumentalisiert wurde. Leider kamen die Ausführungen zu diesem Thema sehr kurz. Carnap-Bornheim stellte stattdessen die Objektivierungsversuche von Kurt Schietzel hervor, und argumentierte zum Schluss, dass es an dieser Stelle strategisch sinnhaft wäre, aus Haithabu ein UNESCO Weltkulturerbe zu machen. Gerne hätte ich über die Idee, den UNESCO-Schutz als Rechtsextremismusprävention zu nutzen diskutiert, da mir dieses Konzept bislang schleierhaft erscheint, doch zu dieser Diskussion kam es nicht.

In direkter Ablöse berichtete Martin Langebach von der Bundeszentrale für politische Bildung über die Funktion der Wikingerkulte in rechten Kreisen. Dieser Beitrag war sehr interessant, da er auf die eigene Glaubenswelt welche sich in diesen Kreisen herausgebildet hat hindeutete. Es handelt sich in der Regel um Geschichten, die erzählt werden, und welche die Menschen beeindrucken, und an denen sie sich orientieren können. Weniger geht es um einen direkten dinglichen Bezug. Dies vergrößert den Reiz sich mit Wikingern auseinander zu setzen. Er wies drauf hin, dass es an dieser Stelle hilfreich sei, wenn politische Bildung Hand in Hand mit archäologischer Arbeit funktionieren würde, und erntete dafür einigen Applaus.

Der AWO-Landesvorsitzende Wolfgang Baasch referierte im Anschluss über mythologische Verklärungen innerhalb der AFD. Hierbei verwies er nicht nur auf eine Rede von Björn Höcke, sondern auch auf ein mythologisch verklärtes Bild welches sich um Wikinger, Germanen und Runenkulte dreht. Er äußerte die Hoffnung, dass bereits innerhalb der Kinder und Jugendprojekte eine Präventionsarbeit möglich wäre, wenn es Archäologen und Rechteextremismusforschern gelänge schon früh die richtigen Antworten auf die Fragen von Kindern und Jugendlichen zu finden.

Besonders aufgefallen ist die Rede von Dr. Christian Meyer-Heidemann, der Landesbeauftragte für politische Bildung in Schleswig Holstein. Nicht nur, dass in seinem Vortrag zum X-ten mal betont wurde, wie selten es ein Zusammenspiel zwischen politischen und archäologischen Strukturen gibt, er trat auch für ein demokratiestärkendes Geschichtsbild ein. Dabei wurde die Problematik, dass es sich auch dabei ebenfalls um ein diskurslastiges Geschichtsbild handelt nicht mit diskutiert. Die Problematik, dass dies ebenfalls eine unsichtbare Interpretation ist, welche sich in den Befund schleicht, und genauso die Forschungsergebnisse verfälschen kann, schien es in seiner Gedankenwelt nicht zu geben. Im Gegenteil. Er stellte deutlich hervor, dass er die Demokratie als einzigen Weg sieht eine wirksame Prävention gegen Rechtsextremismus zu erstellen. Offenbar war er sich dabei der Vielfalt möglicher Kulturen und Gesellschaften in verschiedensten archäologischen Kontexten nicht bewusst. Mit einer weiteren Einfärbung dieser würde man sich wiederum der gleichen indoktrinierenden Methoden bedienen. Ich möchte an dieser Stelle zu einem differenzieren Geschichtsbild aufrufen, in der es eine Vielfalt von möglichen Gesellschaftsmodellen gegeben haben kann, welche aus unserer heutigen Perspektive auch fernab unserer eigenen Vorstellungswelt liegen können.

Auch wenn ich diesen Punkt kritisch betrachte muss ich positiv hervorheben, dass Meyer-Heidemann als einziger Redner auf der gesamten Tagung Rechtsextremismus nicht als ein merkwürdiges Randphänomen abtat. Vielmehr thematisierte er rechtes Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft, welches durch die geringer werdende Rolle des Geschichtsunterrichtes, vor allem in Schleswig-Holstein noch problematischer wird. Er forderte eine Stärkung der Präventionsarbeit, und der Schulfächer Wirtschaft und Politik, sowie des Geschichtsunterrichtes. Ob diese Forderungen ausreichend sind, ist allerdings wiederum fraglich.

Das Wikingerbild aus Archäologensicht

Ab diesem Zeitpunkt begann ein Phänomen, welches den Rest der Tagung fester Bestandteil bleiben sollte. Die Themen wollten einfach nicht in den zu eng gesetzten Zeitrahmen passen. Sven Kalmring von der aktuellen Grabung in Haithabu begann bereits verspätet mit seinem Vortag. Er versuchte das allgemein gesellschaftlich anerkannte Bild der Wikinger zu dekonstruieren. Hierfür bediente er sich Beispielen, um ein differenziertes Bild von Wikingern zu zeichnen. Diese zeigen sich im archäologischen Befund nicht unbedingt als blutrünstige Krieger, sondern eben auch als Händler. Er brach dabei gesellschaftliche Diskurse auf, ohne dabei unerwähnt zu lassen, dass die Möglichkeit besteht dabei unbemerkt neue Diskurse einzubringen.

Das die archäologische Interpretation oftmals eher Spiegel der eigenen Gesellschaft ist, als Ausdruck einer real existierenden kulturellen Vergangenheit, ließ er dabei nicht unerwähnt. Hierfür zeigte er Frauen, welche als Kriegerinnen interpretiert werden können. Er deutete drauf hin, dass eine wissenschaftliche Meinungsbildung bei emotional geladenen Themen oftmals schwierig ist, und das vermutlich von daher gerade, bei dem vom ihm angefügten Beispiel offenbar wissenschaftlich unsauber gearbeitet wurde.

Im weiteren gab er einen Überblick über die Wikingerzeit, und dekonstruierte dabei die Bezeichnung Wikinger ansich, da diese eine Vielzahl möglicher Uhrsprünge haben kann, und nicht ganz klar ist, woher das Wort eigentlich kommt. Mit weiteren Beispielen machte er deutlich wie weit die Wikinger auf ihren Reisen gekommen sind und dass es sich um eine eher heterogene Gruppe, als um eine einheitlich Kultur im herkömmlichen Sinne handelt. In seinem Ausblick nahm Kalmring wieder Bezug auf das Tagungsthema. Er sprach die Romantisierung der Wikingerkultur an, und setzte diese in Beziehung zur heutigen Rezeption. Beispielhaft zeigte er auf, dass Wikingerschiffe beinahe ausschließlich mit rotweißen Segeln gezeigt werden. Hierzu gibt es allerdings keinen archäologischen Beleg. Vielmehr handelt es sich um eine nationalistische Anspielung auf die dänische Nationalflagge. Des weiteren zeigte er auf, inwieweit sich die Identifizierung der Wikinger in rechten Gedanken verzweigt. Er verwies dabei auf die rechte Gruppe „Soldiers of Odin“, welche in Finnland ansässig ist. Beachtenswert ist dabei, dass Finnland zwar ein skandinavisches Land, dieses aber nicht Originalschauplatz einer Wikingerkultur gewesen ist. Abschließend erwähnte er, dass die Wikinger selten im Kontext der europäischen Geschichte betrachtet werden. Schlussendlich handelte es sich im frühmittelalterlichen Europa um einen geschwächten Kontinent, der aufgrund der Ungarneinfälle eine Vielzahl von Problemen bewältigen musste. In diesem Zuge sind auch die Raubzüge der Wikinger zu verstehen, welche einerseits aufgrund der Schwächung des Kontinents notwendig wurden, aber anderseits diese Überfälle auch erleichterten. Durch die Erfindung des Segels hatten die Wikinger dabei oft einen taktischen Vorteil.

Rechtsextreme Narration

Der letzte Eröffnungsvortag wurde von Dr. Gideon Botsch gehalten. Er befasste sich mit dem Zugriff der extremen Rechten auf die Geschichte generell. Dabei stelle er hervor, dass es oftmals um die Frage einer Ethnogenese im kontinuierlichen Sinne geht. Verfasser rechter Geschichtsschreibung stellen ihre Hypothesen dabei oftmals in einer Form der Gegengengeschichte dar. Germanen und Wikinger sind in diesem Zusammenhang ein permanentes Thema.

Die historisch fiktionale Geschichtserzählungen in rechtsextremen Kreisen nutzen dabei oftmals historische Fakten, um sie ideologisch aufzuladen. Zu beachten ist dabei, dass Geschichte immer eine Aneignung der Geschichte aus der Jetztzeit heraus ist, die Aneignung im rechtsextremen Kontext verläuft dabei oftmals in einer gewissen Hochmütigkeit. Das bedeutet auch, dass sich systematisch gegen empirisch nachweisbare wissenschaftliche Fakten abgeschottet wird. An Stelle dessen rückt eine Aufladung der Themen mit antisemitischen Gedankengut. Der „Mord an der Seele der Deutschen“ ist dabei eine Narration, welche im Zuge der letzten 20 Jahre innerhalb nationaler Bewegungen im zunehmenden personellem Umfang bedingungslos geglaubt wird. Dieses Geschichtsbild wird dabei verstanden als eine Gegenbewegung zur sog. „Deutsch-kritischen Forschung“. In neuerer Zeit sind dabei auch neuzeitliche Erzählungen zu finden. Problematisch ist dabei, dass der archäologische Emanzipierungsprozess gegenüber nationalen Diskursen erst in der 90ger Jahren begonnen hat. Der Germane als Urstamm der Deutschen ist also noch nicht lange aus den Geschichtsbüchern verschwunden.

Neben der Bildung durch Schulunterricht sind es allerdings vor allem Reenactment-gruppen, welche zur Festigung der Geschichtsbildes beitragen. Diese sind weder in der Regel noch vom Grundsatz her rechtsextrem. Es sind Gruppen welche historische Zeiten nach besten Wissen darstellen, und damit zur Festigung eines Geschichtsbildes beitragen. Die Problematik ergibt sich an den Stellen wo diese Szene in Wechselwirkung mit rechten Gruppen steht und sich eine nationalistische Narration schleichend innerhalb dieser Freizeitgruppierungen verbreitet. Dies wird von rechten Gruppierungen gezielt unternommen. Mitunter gibt es ganze Reenachtmentgruppierungen aus rechtsradikalen Bezügen.

Das Thema Wikinger ist hierbei eine der Narrationen, die einen Kampf der Religionen abbildet. Hierbei geht es nicht nur um die blanke Konkurrenz zwischen Heidentum und christlichen Gedanken, sondern dieses wird als explizit jüdisch-christlich definiert. An dieser Stelle wird die dahinter stehende antisemitische Tendenz deutlich. In rechten Kreisen wird dies oftmals mit dem Symbol des Thorshammers verknüpft, welcher im Zusatz als Symbol der Stärke und der Männlichkeit verstanden wird. Dem gegenüber wird ebenso ein Weiblichkeitsbild definiert.

Die Wikinger werden in diesem Zuge bewusst antizivilatorisch instrumentalisiert. Dabei wird nicht zwangsläufig auf eine Einbettung in eine selbsterstellte Fantasiewelt zurück gegriffen, sondern es wird bewusst auf bestimmte Funde Bezug genommen, welche in einer reichhaltigen Detailkenntnis mit dem Gedankengut verbunden werden.Dieses spezifische Wissen wird dabei Bestandteil der Kontextualisierung. Dabei ist die direkte Argumentation zumeist dennoch sachfremd. Zu erkennen sind diese Theorien oftmals an der Stelle an der Antworten gegeben werden, und Wissenschaftler gleichzeitig noch mehr Fragen formulieren würden. Den rechten Narrationen geht es dabei weniger um wissenschaftliche Überzeugungskraft, sondern um einen Plausibilitätsschluss, welcher sich in das bestehende Weltbild der Geschichtsempfänger einbetten lässt.

Meine erste Zwischenbilanz

Nach den Vorträgen wurde eine Pause gemacht, in der das Verschnaufen vor den Workshops am Nachmittag angedacht war. Die Pause war leider aufgrund des chronischen Zeitmangels sehr kurz, und so konnte ich nur einige Diskussionen führen. Die Vorworte waren dabei vielversprechend ausgefallen. Die einzelnen Vorträge waren geeignet um aus zwei Perspektiven in das Thema einzuleiten. Doch bemerkte ich hier erstmals das Auftreten einer tiefer gehenden Problematik. Die meisten Anwesenden hatten einen fachwissenschaftlichen Hintergrund, welche ihnen einen Bezug zu einem der beiden Themenfelder bot. Es handelte sich entweder um Menschen die sich aus vielen Perspektiven mit Archäologie auseinandersetzen, oder um Menschen die sich mit Rechtsextremismus auseinandersetzten. Das hatte zur Folge, dass der gegenseitige Bildungsgrad für das jeweils andere Thema oftmals relativ gering war. Auch die Verständnisse der Art und Weise, wie die jeweiligen Herangehensweisen grundlegend funktionieren, waren wenig bis gar nicht ausgeprägt. An dieser Stelle begann ich mich zu langweilen, da ich mich mit beiden Bereichen seit langem auseinandersetze, und so ab diesen Zeitpunkt in Grundlagendiskussionen verharren musste.

Der Workshop zur wikingerzeitlichen Gesellschafts(re)konstruktion

Ich nahm an dem Workshop „Starke Krieger, sorgende Mütter? Rechtsextreme Rollenbilder und ihre Bezüge auf wikingerzeitliche Gesellschafts(re)konstruktionen“ teil. Dieser Workshop zeigte mir die bereits in der Pause entdeckt Diskrepanz weiter auf. Dabei war die Idee des Workshops die Workshopteilnehmer selbst in die Situation zu versetzen ein Menschenbild zu rekonstruieren, zur Vermittlung der archäologischen Arbeitsweise, grundsätzlich gelungen. Auch das heute rechtsradikale Frauenbild wurde tiefgreifend erläutert. Nur wurden beide Themen auf ein Grundsatzniveau heruntergeschraubt. Das war für die meisten Teilnehmer notwendig um das jeweils andere Thema besser verstehen zu können, bei mir löste der Bildungseffekt jedoch grenzenlose Frustration aus. Ich hatte gehofft, dass die beiden Thematiken in Bezug auf das Frauenbild in einen Zusammenhang gesetzt werden. Dies hätten wir im Zweifel wiederum dekonstruieren, wissenschaftlich beleuchten oder in irgendeiner Weise diskutieren können. Doch dazu kam es nicht.

Generell wurde das wikingerzeitliche Frauenbild nur in Grundzügen erwähnt, und die durchaus problematische Darstellung der emanzipierten Hausfrau, welche sich immer wieder findet, nicht behandelt. Ich hätte gerade dieses Konstrukt gerne diskutiert, musste jedoch wiederum auf einem viel grundlegenderen Diskussionsniveau verharren. Schließlich begann ich mich zu fragen warum ich überhaupt angereist war. Und dachte darüber nach, wie interessant eine Diskussion über das wikingerzeitliche Frauenbild innerhalb der Wechselwirkung von archäologischen Befund, gesellschaftlicher Rezeption und rechter Indoktrinierung hätte sein können. Und inwieweit es vielleicht zu einem neuen Umgang mit der Thematik geführt hätte.

Rechtsradikale Frauen

Nach der Kaffeepause folgte ein Vortrag welcher sich um Frauen in der extremen rechten Bewegung drehte. Hierbei wurde angeführt, dass das Frauenbild in diesen Kreisen oftmals ein stereotypes Bild ist, welches biologistisch unterfüttert wird. In der Kombination mit dem Gedanken der Volksgemeinschaft ergibt sich hier in der Theorie eine „Rassenbildung“. In der Hauptsache liegen die Aufgaben der Frau dabei im Bereich von Sozialstrukturen. Soziales Engagement welches sich von Elternvertretungen bis hin zur Organisation von Demosanis erstreckt. Die Hauptproblematik ist dabei, dass diese Frauen sich oftmals in soziale nachbarschaftliche Kontexte begegnen, und sich dort beispielweise für einen Kinderspielplatz einsetzten. Ihre rechte Gesinnung offenbaren sie in dieser Position oft erst nach und nach, sodass sich das Gedankengut durch die Nachbarschaft verbreitet.

Teilfeministische Positionen werden dabei durchaus auch von rechten Frauen übernommen. Der Rechtsradikale „Skin-Girl-Freundeskreis“ wurde dabei als Beispiel angeführt. Diese Gruppierung definiert sich dabei als Gemeinschaft deutscher Frauen, und äußerte ihre Forderungen in dem Mitteilungsblatt „Walküre“ welches bereits in ihrem Titel wiederum Bezug auf ein Geschichtsbild nahm. Leider wurde dieses in dem Vortrag nicht tiefer geschildert, sondern nur darauf verwiesen, dass sich diese Organisation aufgelöst hat, um einem Verbot zuvor zu kommen.

Im weiteren wurden moderne rechte Frauenbewegungen gezeigt. Hierzu gehören beispielsweise Mädelkameradschaften, wobei es sich um gewaltbereite, militante Gruppierungen handelt, welche den Feminismus ausschließlich für die deutsche Frau definieren wollen. Die Inszenierung von Frauen in rechten Kreisen ändert sich dabei zunehmen. Frauen werden oftmals als friedlich und harmlos angesehen. Oftmals sind sie stylisch inszeniert und an vorderster Front zu finden. Das hintergründig antifeministische Bild richtet sich hierbei in erster Linie gegen queerpolitsche Forderungen. Die Definition der Volksgemeinschaft bleibt in all diesen Positionen immanent. Gerade das Phänomen der Transphobie ist dabei bis tief in die Strukturen der AfD hinein zu verzeichnen. Über geschickt gewählte Formulierungen, zum Beispiel bei Demonstrationsmottos wird dabei versucht einen Schulterschluss zur christlichen Mitte zu finden. Die Hauptproblematik ist dabei, dass diese Thematiken oftmals nicht als rechtsextrem erkannt werden.

Das Frauen einer gewissen Unsichtbarkeit unterliegen, ist auch daran zu erkennen, dass es immer noch als Phänomen wahrgenommen wird, dass es sich bei Beate Zschäpe um eine Frau handelt, welche im Zusammenhang mit den NSU-Prozessen vor Gericht steht. Diese Wahrnehmung zeigt auf, dass es den meisten Menschen nicht bewusst ist, das Zschäpe eine von vielen Frauen ist, welche in diesem Zusammenhang stehen. Gerade die weiblichen Mitglieder der Wehrsportgruppe Hoffmann hielten nach dem Verbot den Zusammenhalt der Gruppierung aufrecht, doch sie wurden niemals als terroristisch beurteilt. Dieses Muster zieht sich durch bis zu den NSU-Prozessen, bei denen in der Hauptsache männliche Angeklagte verzeichnet sind. Und das neben Frauen, welche nicht als Angeklagte gelten, sondern wenn überhaupt nur als „Freundin von…“ gelten. Bei der Ermittlungsarbeit in Bezug auf den NSU wurde in diese Richtung anscheinend kaum recherchiert. Bei der Rasterfahndung wurden Frauen als Täterinnen von vornherein ausgeschlossen. Die Frau wird in diesem Zusammenhang oftmals nicht als Person betrachtet, sondern verbleibt in der Wahrnehmung ein „Naivchen“. Dieses Phänomen macht aber gerade rechte Frauen zu einer unsichtbaren Gefahr.

Die Hakenkreuzfrage

Mit diesem Fazit wurde der Exkurs über rechte Frauen beendet. Auch für mich war die ein oder andere Information neu, sodass sich mein Frust etwas legte. Die Informationen über die Strukturen waren sicherlich richtig und wichtig für das Gesamtverständnis rechtsradikalen Gedankengutes, dennoch war der Übergang zur Podiumsdiskussion „Wikinger mit Hakenkreuz? Wie authentisch, muss eine lebendige Vermittlung von Geschichte sein?“ etwas holprig. Der Themensprung war auffällig, und wirkte ein wenig wie ein heftiger Bauchklatscher im Schwimmbad.

Bei der Podiumsdiskussion hätte ich mir ein weniger plakatives Thema gewünscht, als die ewige Hakenkreuzfrage. Eine Frage die sich für mich nach 10 Jahren Diskussion nicht mehr stellt. Die durchaus guten Beiträge der Diskussionsteilnehmer gerieten durch die Plattheit des Themas ins Hintertreffen.

Die Hauptproblematik bestand dabei darin, dass es der wissenschaftlichen Seite von vornherein gelang rechten Radikalismus als Problem der Reenactmentszene zu definieren, sodass Vertreter dieser Gruppierungen von vornherein einem Rechtfertigungszwang unterlagen. Die teilweise sehr reflektierten Aussagen teilnehmender Vertreter dieser Gruppierungen minderten diesen Diskurs jedoch nicht. Dabei ist für den Zeitraum der gesamten Tagung zu verzeichnen gewesen, dass nationalistisches Gedankengut, einer am Rand stehenden Minderheit zugerechnet wurde. Eine Eigenreflektion auf mögliche rechte Gedanken in eigenen inneren Diskursen und Gedanken welche sich bereits in der Mitte der Gesellschaft befinden, und damit in Rückkopplung einen Einfluss aus gesellschaftswissenschaftliche Analysen wie in der Archäologie haben, fand dabei nicht statt. An Stelle dessen wurde dieses Phänomen von vornherein ausgeschlossen.

Im Sinne der Hakenkreuzdebatte hätte dieses Phänomen aber durchaus diskutiert werden müssen. Beispielsweise anhand der Auswahl von Ausstellungsstücken in musealen Kontexten, in denen oftmals Funde mit diesem Symbol gezeigt werden, obwohl die Unwichtigkeit der Symbolik in der Diskussion immer beteuert wurde. Doppeldeutigkeiten dieser Form, welche zu einer tieferen selbstreflektiven Auseinandersetzung meines archäologischen Fachkollegiums hätte führen können, fanden allerdings nicht statt. Ich fand das sehr schade, da es mir suggerierte, dass die archäologische Fachwelt in ein Scheuklappendenken verfallen ist, und von daher nur oberflächliche Plakativität erwünscht ist. Dies ist ein meinen Augen eine Form von Populismus und zur Lösung von Problem ungeeignet.

An dieser Stelle möchte ich gerne auf den Artikel von Beowulf-Schleswig hindeuten, der aus einer anderen Perspektive zu einem ähnlichen Schluss kommt.

Hörnerhelme und Fell-Bikinis

Nach der weiteren Ernüchterung, die ich aus diesem Teil des Tages mitnahm, leutete Ulf Ickerod mit einer Auswahl Wikingerfilme den Abend ein. Skurriler und lustiger hätte man das Abendprogramm kaum gestalten können. Und so hatten zumindest alle Teilnehmer des Filmabends einige lustige Momente zu verzeichnen. Das dabei gezeigte stereotype Bild der Wikingerkultur wurde umso mehr deutlich, achtete man auf die gezeigten genderbezogenen Darstellungen. Mit anderen Worten waren oberflächlich nur Frauen zu sehen, welche geküsst, und vergewaltigt oder wahlweise entführt werden durften. Am meisten belustigte mich eine Szene, in der eine Burg mit einem Rammbock geöffnet wurde, der auf den ersten Blick einem monströsen Penis nicht unähnlich gewesen ist. Aber auch so mach kreativer Wikingerhelm, merkwürdige Fell-Bikinis und Vokuhilaperücken machten bei der Betrachtung in der Hauptsache spaß.

Die Wikinger und die völkische Ideologie

Der nächste Tag wurde eröffnet mit einem Vortrag von Ingo Wiwjorra, der zum Thema „Völkische Ideologie zwischen Wikingerkult und Rechtsextremismus“ referierte. Mir gefiel besonders, dass er die Archäologie als Weltanschauungswissenschaft definierte, und dies in einen Kontext mit der nationalistischen Geschichte des Faches setzte. Hierbei gilt das Prinzip der Bodenpolitik, generiert über einen archäologischen Kontext. Genauer gesagt wird die Daseinsberechtigung von bestimmten Gruppen darüber definiert, dass sie länger in einer Region anwesend sind als andere Gruppen. Durch diese Betrachtung wird klar, warum ein Teil der Archäologie Bestandteil der Konstruktion nationaler Identitäten ist. Der Versuch der an dieser Stelle oft unternommen wird, ist die Herausstellung einer möglichst langen Ortskontinuität.

Bei der daraus resultierenden Anspruchshaltung gegenüber Besitzständen, über die Definition deckungsgleicher Kulturgrenzen der Vergangenheit und einer damit verbunden ethnischen Reihe, handelt es sich vom Grundsatz her um rechtes Gedankengut. Herangezogen wird hierbei nicht nur die Deckungsgleichheit von Sprache, sondern auch anthropologische Merkmale, welche im weiteren Schluss als „Rasse“ definiert werden. An diesen rassistischen Definitionen bedienen sich dabei nicht ausschließlich die historischen Wissenschaften.

Auffällig ist dabei, dass übergreifend nationale Wurzeln im Vergleich häufig nicht gesucht werden, wobei dies auf den nationalen Gedanken dieser Prägung zurückzuführen ist. Eine Hauptproblematik ist, dass an dieser Stelle die rechte Ideologie im Kontext als Konsequenz eines wissenschaftlichen Prozesses gesehen werden kann. Zahlreiche völkische Plattformen nutzen dies zur Argumentation ihrer Ideenwelt.

Wiwjorra ordnet dieses Phänomen in einen historischen Kontext ein: Spätestens ab den 1920ger Jahren ist in wissenschaftlichen Publikationen zu beobachten, dass die Kulturwissenschaften zu Trägern nationaler Ideologien wurden. Seit diesem Zeitpunkt häuft sich eine völkisch einheitliche Definition der betrachteten Kulturen. Dieses Phänomen kann in Folge einer sog. „Verdeutschung“ wissenschaftlicher Diskurse betrachtet werden. Der völkische Charakter appelliert dabei an eine gemeinsame Abstammungsgemeinschaft.

Nach dieser völkischen Lesart befindet sich die Welt derzeit in Unordnung. Die Ordnung wird dabei definiert über prähistorische Epochen, in Assoziation mit einer völkisch, stammesgeschichtlichen Wahrnehmung der Weltgeschichte. Das Interesse an Publikationen zum Thema „Germanen“ in Hinblick auf diese Art der Geschichtswahrnehmung ist kaum überschaubar. Dabei wird eine Masse an Bildern verwendet, welche ein tendenziöses Geschichtsbild in den Köpfen des Betrachters verankert. Diese Bilder zeigen in ihrem Bedeutungskern rassistische Züge, und sollen als Gleichnis zur Identifikation dienen. Einzelne Symbole bekommen dabei einen besonderen Charakter. So steht das Hünengrab für die germanische Kontinuität, oder die Rune für die Überlegenheit des Geistes, sowie das Wikingerschiff für technische Überlegenheit.

Nach 1945 nehmen die meisten Wissenschaftler den größtmöglichen Abstand zu diesen ideologischen Tendenzen ein. Während das Germanenthema in dieser Hinsicht niedergelegt wird, setzt es sich aber in der Populärwissenschaft bis heute fort. So entwickelte sich die Möglichkeit als historisches Symbol getarnte Nazisymbolik, beispielsweise in Form von Schmuck, als Erkennungszeichen weiter zu tragen. Rechtsgerichtete Publikationsreihen knüpfen bereits 1945 direkt an die vorherigen Gedankengänge an. Diese Texte sind nur innerhalb des Rechtsradikalen Spektrums relevant. Im Laufe der Zeit wird hier das Atlantisthema immer relevanter, welches die Germanen als Kulturbringer stilisiert. Weniger aktuell sind mittlerweile die klassischen Blut und Boden Argumentationen. Dennoch handelt es sich um eine ungebrochene Kontinuität, bei der die Produktion neuer Texte in Publikationen eher gering ist und oftmals eher auf älteres Textwerk zurück gegriffen wird.

Sichtbar ist auch in diesem Bereich der rechten Szene eine Akzentverschiebung zu globalisierten Themenfeldern. Diese ist gekennzeichnet durch Folklore und einen Rückzug in eine jeweils definierte „Heimat“. Die Häufigkeit von ethnopluralistischen Weltanschauungen steigert sich. Dabei wird ebenfalls ein völkisches Germanenbild produziert, welches auf eine Kontinuität zurückgerechnet wird. Dabei wird der Mechanismus ethnischer Selbstdefinition weiter benutzt, was in Hinblick zur aktuellen Politik dazu führt, dass „der Einwanderer“ als gesichtsloser Mensch ohne eigene Identität betrachtet wird. Dabei bleibt zu erwähnen das diese Schriften nur auf Basis archäologisch-völkischer Schriften möglich sind.

Gedanken die in der Diskussion kaum Platz fanden

Der Vortag von Dr. Ingo Wiwjorra hat mich in seiner Zusammenstellung sehr gefreut, weil er als erster, und in meiner Erinnerung einziger Vortrag das Zusammenspiel zwischen Archäologie und Rechtsextremismus erwähnt hat. Dennoch viel mir in der nachgehenden Diskussion auf, dass nationales Gedankengut wiederum ausschließlich als Randphänomen verstanden wurde. Dabei muss spätestens dieser Vortrag gezeigt haben, das Archäologie auch Basis nationalen Gedankenguts sein kann. An dieser Stelle gibt es vielerlei Möglichkeiten von Prävention, über Aufklärung über die Funktionsart der Archäologie, oder auch durch das aufklären eines völkisch verklärten Weltbildes.

Das dies in Tief rechten Kreisen erfolglos sein wird, ist mir dabei klar. Aber bei den Menschen, welche dazu tendieren sich über ihr Geschichtsinteresse ein völkisches Weltbild anzueignen, könnte an dieser Stelle erfolgreiche archäologische Präventionsarbeit geleistet werden.

Hierzu ist es aber unbedingt notwendig die eigenen Strukturen zu reflektieren, und eigene nationale Tendenzen herauszufiltern. Genauso wie es zwingend notwendig ist Befunde nicht in einem Interpretationsloch zurückzulassen, an welchen sich Rechtsradikale bedienen. Außerdem muss das fehlende gesamtgesellschaftliche Verständnis der Archäologie in Bezug auf die Möglichkeit mehrerer Interpretation eines Befundes, welche gleichberechtigt nebeneinander stehen können, geschärft werden, da dies oftmals missverständlich ist, und gerade dieses Phänomen eine Vielzahl von Verschwörungstheorien ermöglicht, welche einen Menschen in den rechten Sog ziehen können.

Leider handelt es sich bei diesem Teil der Vermittlungsarbeit um ein viel zu selten angesprochenes Thema, in einem Fachkollegium, dass sich meinem Eindruck nach mittlerweile selbst als Randbereich untereinander etabliert. Der wichtige Dialog mit der Gesellschaft bleibt dabei oft auf der Strecke. Die Recherche und das Vermitteln des Geschichtsbildes, wird Dokumentarfilmern und Verschwörungstheoretikern überlassen, und das unter vollem Verzicht auf die eigenen Argumente und die Darstellung er eigenen Fähigkeit. Die gesellschaftliche Verantwortung wird dabei in vielerlei hinsicht in einem viel zu geringen Ausmaß wahrgenommen. Die auch in diesem Gedanken entstandenen Tübinger Thesen, die ich bei der DGUF Tagung 2016 mit unterzeichnet habe, reichen bei der Bewusstmachung dieser Problematik offenbar nicht aus.

Runen und andere Symbole

Nachdem ich diesen Gedanken gegenüber anderen Tagungsteilnehmern geäußert hatte, kam ich etwas zu spät zum letzten Workshop: „Vergangenheit trifft Gegenwart – Runen, Symbole und Codes im Rechtsextremismus.“ Zunächst ging es um Symbole und Codes welche die rechte Szene als Erkennungsmerkmal oder auch zur Selbstdarstellung nutzt. Es wurde ein kurzer Überblick über die gängigen Zahlencodes, und Abkürzungen gegeben. Dann wurde näher auf Symbole im Wikingerkontext eingegangen. Die Fülle an Zeichen und Symbolen welche sich die Wikingerfanszene generell bedient ist dabei mannigfaltig, und durch eine gewisse Wahllosigkeit gekennzeichnet. Generell herrscht eine Symbolvielfalt vor. In diesem Beitrag möchte ich mich deswegen darauf beschränken drei der diskutierten Symbole zu erläutern:

Der Thorshammer sticht dabei heraus. Seine Gestaltung liegt hierbei in der erschlagenden Vielfalt vor. Thorshammer im archäologischen Kontext sind dabei in der Regel sehr viel schlichter gestaltet, als ihre alter Egos vom heutigen Wikingermarkt. Das Symbol des Thorshammers als Schmuckstück in Wikingergräbern, ist dabei eher selten, und wenn dann im weiblichen Kontext zu finden. Allgemein fällt auf, dass es in der wikingerzeitlichen Bildsprache eigentlich nicht üblich ist, dass eine Gottheit symbolisch auf einen Gegenstand reduziert wird. Vielmehr wird die gesamte Gottheit mit ihren Attributen gezeigt. Darstellungen von Thor mit Hammer sind daher durchaus existent, nur das dieser Hammer rein optisch eher an einen durchschnittlichen Zimmermannshammer erinnert, und wenig mit der als Thorshammer bekannten Ausformung zu tun hat. Es stellt sich also die Frage, ob es sich bei den in den Gräbern gefunden Anhänger auch um ein anderes Symbol handeln kann? Möglich wäre eine Interpretation als Anker, oder um eine christliche Symbolik. Die Kettenanhänger treten erst mit der Verbreitung des christlichen Glaubens in der Wikingerkultur auf, in der es noch keine ausgeformte christliche Bildsprache gab. Ist es also möglich, dass es sich um eine Frühform eines christlichen Kreuzes handelt? Im Befund sind allerdings auch Thorshämmer bekannt, in welche zusätzlich christliche Kreuze eingeritzt worden sind. Ein direkter Bezug auf Thor wird allerdings nie genommen.

In nationalistischen Kreisen hingegen ist der Thorshammer eines der ersten Symbole, dass verwendet wurde. Hierbei sollte man allerdings nicht den Fehler machen, den Träger eines Thorshammers per se als rechtsradikal einzustufen. Zwar gibt es in Bezug auf den Thorshammer die Bezugnahme auf die Parole „Odin statt Jesus“ in einem antisemitischen Kontext, aber die gleiche Parole und das Symbol wird auch von linken Gruppierungen verwendet, um sich von christlich-nationalistischen Perspektiven abzugrenzen. Dies ändert jedoch nichts an der Tatche, dass Thorshämmer in einer unglaublich vielfältigen Bildsprache vorliegen, welche mit den wikingerzeitlichen Originalen in keinen Zusammenhang mehr zu bringen sind. Der heidnische Bezug des Symbols kann archäologisch nicht unbedingt bestätigt werden, und der politische Hintergrund sollte nur durch den jeweilige Kontext aufgezeigt werden.

Das Hakenkreuz hat archäologisch dabei eine noch interessantere Geschichte. Es kommt in germanischen Fundkontexten zwar vor, aber nicht exponiert, und auch nicht häufig. Vielmehr scheint es sich um ein Symbol zu handeln, dass die Römer in den nördlichen Raum gebracht haben. In der römischen Kultur gibt es Hakenkreuze als Stilelemente bereits zuvor, im nördlichen Raum ist es erst ab dem 4ten bis 5ten Jahrhundert nach Christus zu finden. Die Besonderheit ist, dass es zwischen dem 6ten und 8ten Jahrhundert gänzlich aus der Bildsprache zu verschwinden scheint, und im späteren historischen Verlauf im Kontext christlicher Wikinger zwischen dem 9ten und 10ten Jahrhundert wieder im Norden anzutreffen ist. Die genauen Hintergründe, sowie die Aussage welche dieses Symbol treffen sollte ist unbekannt. Zwar gibt es im asiatischen Raum eine buddhistische, sowie hinduistische Bedeutung, diese lautet „alles wird gut“, dies kann aber nicht in einen Kontext gesetzt werden, mit der nordeuropäischen Geschichte der Symbolik. Es bleibt festzuhalten, dass es sich bei dem Hakenkreuz um kein germanischen Symbol handelt, sondern um ein echtes uraltes Symbol, dass es immer wieder an verschiedenen Orten gegeben hat, und eine variative Bedeutung hatte, welche in Zusammenhang mit den jeweiligen kulturellen Kontexten stand. In der Regel handelt es sich anscheinend um eine Positiv besetzte Symbolik. Das SS-Ahnenerbe fälschte schlussendlich einen Wikingerschatz mit Hakenkreuzsymbolik, auf das sich dann berufen wurde, um dieses Symbol innerhalb rechter Ideologie verankern zu können.

Heute wird als Hakenkreuzersatz oftmals die Triquetra genommen. Dabei handelt es sich um eine dreifach ausgeprägte Unendlichkeitsschleife. Im Sinne der echten Symbolik soll dieses Symbol eine Triade aus Thor, Odin und Freyja konstruieren. Es gibt eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten, in der dieses Bild verwendet wird. Die ursprüngliche Bedeutung dieses Zeichen ist allerdings im christlichen Kontext zu verorten. Das Symbol tritt zwischen dem 7ten und dem 8ten Jahrhundert im Bereich des angelsächsischen Christentums auf. Hier ist es Symbol für die Dreifaltigkeit. Auch auf dem Jellingstein ist dieses Symbol zu finden, und zeigt den christlichen Kontext an.

Fazit zu diesem Workshop

Diese und viele Weiter Symbole wurden in dem Workshop thematisiert. Die Workshop war hierbei wirklich außergewöhnlich gut recherchiert. Dr. Alexandra Pesch glänzte mit stichhaltiger Vorarbeit und detailreichen Fachkenntnissen. Dieser Workshop war definitiv einer der lehrreichsten Zeitpunkte der gesamten Tagung. Die große Vielfalt der Symbole machte es leider unmöglich alle Symbole, welche in rechten Kontexten genutzt werden, überhaupt nur anzusprechen. Dennoch war ich zutiefst begeistert über den kompetenten Vortrag. Vor etwa einem Jahr habe ich selbst eine Recherche begonnen, die die gleiche Ausrichtung haben sollte, bin aber schlussendlich an der Symbolflut und der hohen Anzahl an Überinterpretationen gescheitert. Deswegen war ich für die Recherche umso dankbarer.

Es endet im strömenden Regen

Nichts desto trotzt blieb mein Eindruck, dass ich mir mehr von dieser Tagung erwartet hatte, auch wenn ich sehr froh darüber war, dass diese Thematik überhaupt endlich öffentlich angesprochen wird. Zum Abschluss fuhren wir noch zu einer Exkursion nach Haithabu. Dort begann es in Strömen zu regnen. Das Wetter passte zu meiner Stimmung. Denn ich habe einige unglaublich liebe Menschen kennen lernen dürfen, mit denen ich gefühlt gemeinsam etwas begonnen habe. Und zwar eine tiefer gehende Auseinandersetzung nationaler Tendenzen in Wechselwirkung mit der Archäologie. Aber noch bevor die eigentliche Auseinandersetzung begann, war alles auch schon wieder vorbei. Mir war als hätte ich ein spannendes Buch für immer weggeben müssen, nachdem ich die Einleitung gelesen habe. Nur das das kein Buch war, sondern die Realität. Und mit diesem Eindruck nach Hause zu fahren empfand ich als sehr schade,und unglaublich frustrierend. Und ich hoffe von daher auf einen Teil 2 dieser Veranstaltung.